Anarchistischer Spiele-Kreis

- Anarchistische Spiele im öffentlichen Raum -

Texte

Disruptive Spiele, die den öffentlichen Raum nutzen, können auch direkte Widerstands- und Protestform sein. Im Sinne von 'Reclame the Streets' spielerisch den öffentlichen Raum in Anspruch zu nehmen ist keine neue Idee. Sie wird bereits heute bei Protesten eingesetzt, seien es Kissenschlachten (1), das Schubkarre spielen (2), Radioballett, oder vieles andere (siehe z.B. Doku Mai-Steine-Kampagne, Berlin 2004). Trotzdem ist dies eine Protestform, die weiter ausgebaut werden könnte, da sie Kriminalisierung zwar nicht verunmöglicht, aber den Polizeistaat, der diese Spiele kriminalisiert, in seiner ganzen repressiven Lächerlichkeit deutlich zu Tage treten lässt. Spiele bieten außerdem eine Vielzahl an Variationsmöglichkeiten um Spielverbote, die bei ungenehmigtem Spielen im öffentlichen Raum fast zwangsläufig von Seiten der Repressionsorgane zu erwarten sind, subversiv zu unterlaufen. Spiele als Mittel der Inanspruchnahme öffentlicher Räume entgegen der normierten Erwartungshaltungen sind insofern eine gute Möglichkeit die Repressionsorgane vorzuführen, so das der 'Kaiser bzw. Bürger nackt da steht'. Sie könnten Basis für eine neue radikal gewaltfreie aufständische Praxis wider die Anpassung sein.

Zentrale Voraussetzung ist dafür das gewaltfreie und das spielerische agieren, das sich nicht aggressiv gegen andere Menschen wendet, sondern mit Phantasie und Regelbrüchen neue Blickwinkel und Räume eröffnet. Wichtig ist dabei auch, das die Nichtmitspielenden zwar ein Angebot zum Einbezug bekommen, aber nur freiwillig einbezogen werden, das niemand durch das Spiel gefährdet wird und kein Zwang ausgeübt wird. Außerdem dürfen die Spielenden die spielerische Phantasie nicht verlieren und sich nie auf eine Praxis festlegen, so dass Repression mit Phantasie unterlaufen werden kann und die Repression immer hinterherläuft.

An Gesichts der Verschärfung der direkten Herrschaftsausübung über den öffentlichen Raum (Z.B. neue Polizeigesetze) wird Repression unvermeidbar sein, dies gilt aber für jede Form wirksamen Widerstandes gegen Herrschaftsverhältnisse. Der Umgang mit Repression ist aber von zentraler Bedeutung für die Entwicklung des Widerstandes. Die spielerische Unterminierung macht es möglich, dass die Repressionsausübung für die hinter der Repression stehende Autorität nicht zu ihrer Stärkung, sondern zu ihrer Schwächung führt, da sie der Lächerlichkeit preis gegeben wird und gleichzeitig ihre absurde Gewaltförmigkeit deutlich wird.

Natürlich setzt dies eine Einbettung der Spiele in einen breiteren Diskurs voraus. Für Anarchist*innen wichtig wäre, dass auch bei einem solchen Konzept des 'Zivilen Ungehorsams' und Protestes, das auf dem Prinzip 'Disruptiver Spiele' basiert, die Spiele selbst auch anarchistische Ansätzen, wie sie im Text 'Disruptive Spiele' formuliert wurden, genügen sollten. Insgesamt würde es viel Sinn machen einmal eine Beispielsammlung für Disruptive Spiele im öffentlichen Raum zu erstellen, basierend auf Praxisbeispielen, Beschreibung von Erfahrungen, weiteren anarchistischen Spielideen und immer mit Hinweis auf beliebige Variationsmöglichkeiten und die mit diesen Spielen verfolgten Ziele im Kontext anarchistischer Praxis. Sinnvoll wäre hier sicher auch eine Ergänzung um Hinweise aus anderen Texten zu gewaltfreien Protestformen.


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Fussnoten

Fussnote 1 - Z.B.im Rahmen der Anti-EXPO-Proteste in Hannover.

Fussnote 2 - Z.B. in Berlin im Rahmen von Protestaktionen als Mittel zur Verwirrung der Polizeikette.





22.12.2018



Disruptive Spiele - Anarchistischer Spielekreis. Stichworte: Disruptive Spiele, Spiele, Gesellschaftsspiel, Anarchie, Gruppen, Anarchismus, Kooperation, Konkurrenzkritik, anarchistische Initiative, AnarchistInnen, Anarchisten





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